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hiesigen Steinkohlegas gar nicht notwendig, da

die feuchte Kohle inLothringenbereits natürlich

gefrackt ist und Gas aus der Kohle und dem po-

rösenGestein auf natürlichemWege entweicht“,

so Focinal weiter. Fracking sei deshalb nicht nur

unnötig, sondern auch unwirtschaftlich. Außer-

dem ist Fracking genauso wie in Deutschland

gesetzlich verboten. Daher versteht FDE auch

nicht so recht die Vorwürfe der Bürgerinitiative

Apel57. „Bei Bürgerversammlungen erklären

wir unser Vorgehen, die Bürger können Fragen

stellen und wir sind zum Dialog bereit, aber die

Bürgerinitiative boykottiert uns und schlägt

den Dialog aus“, ärgert sich Focinal. Trotzdem

begrüßt er konstruktive Kritik, die, wie er sagt,

Projekte grundsätzlich bessermachen könne, da

sienochmals undnochmals durchdachtwürden.

Apel57 wirft FDE vor, dass der Treibhauseffekt

des Kohleflözgases 25 Mal höher sei als beim

klimaschädlichen Kohlendioxid.

Bisher hat FDE Probebohrungen in Folschviller,

Zimming, Longeville und Tritteling durchge-

führt. Alle Orte im Département Moselle lagen

einige Kilometer weit auseinander. ImDezember

startete eine weitere Bohrung in Lachambre.

Zwischen 1.000 und 1.500 Meter tief reichen

die Bohrungen und graben sich horizontal in

15 cm große Tunnel vorwärts bis zu 2 km weit.

Bei verschiedenen Kohleschichten können von

einem Standort aus mehrere Flöze angegangen

werden. Wasser und Gas würden abgesaugt und

hätten keine Auswirkungen auf den Grund-

wasserspiegel, versichert Focinal. An 30 Stand-

orten mit 6 bis 8 Bohrungen könnte am Ende

in Lothringen Kohleflözgas gefördert werden,

wenn die Genehmigungen vom französischen

Umwelt- undWirtschaftsministeriumvorliegen.

„EinMammutprojekt, bei demmaneinen langen

Atem haben muss“, so Focinal. Ein Projekt, das

einen Beitrag zur Energiewende sein soll und

zudem rund 200 Arbeitsplätze bringen kann.

„Die Wertschöpfung der bereits investierten 42

Millionen Euro beträgt für die Region ca. 30 bis

40 Prozent“, versucht Focinal den Kritikern den

Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Aufträge,

behaupten die Gegner, würden so gut wie alle

an ausländische Firmen vergeben und von der

Wertschöpfung bliebe nichts in Lothringen.

ObdieGasvorkommen inLothringeneines Tages

wirklich großtechnisch ausgebeutet werden

dürfen, mag mit Gewissheit heute niemand

sagen. FDE aber auch die Gegner zeigen sich

kämpferisch optimistisch.

[nea]

gekauft, das bereits über zwei Konzessionen

zur Gasgewinnung verfügt. In diesem Sommer

ging FDE an die Börse. Mit frischemKapital und

der Beteiligung institutioneller Anleger wie

Banken wurde die finanzielle Basis von FDE auf

eine breite Basis gestellt. Trotz derzeit niedriger

Gaspreise weltweit zeige der gelungene Einstieg

an der Börse, dass der Glaube an den Erfolg des

Projekts riesengroß sei, frohlockt Antoine Foci-

nal. Denn die bereits getätigten Investitionen

von ca. 42 Millionen Euro seit 2006 und die

weiteren geplanten 25 Millionen Euro müssen

sich irgendwann rechnen. Doch das Gas von

FDE seimehr als wettbewerbsfähig, zeigt sichder

Generaldirektor optimistisch. Neben der hohen

Qualität von96ProzentMethangehalt gegenüber

demimportiertenGasmit 93Prozent könnte FDE

das Gas direkt vor Ort den potentiellen Kunden

wie Stadtwerke oder großen Industriekunden

liefern. „Keine Zwischenhändler, keine weiten

Transportwege, keine Aufbereitung, günstige

Lagermöglichkeiten innatürlichen Speichern in

der Erde und einDruck von8barmachendasGas

von FDE absolut wettbewerbsfähig“, so Focinal.

Und vor allem gibt es keine Abhängigkeit vom

Ausland wie Russland und Algerien. Dieser Ge-

danke hat bereits den ehemaligen französischen

Wirtschaftsminister ArnaudMontebourg begeis-

tert, der schon von einer neuen Energiequelle

Frankreichs sprach. Das Interesse bei Stadtwer-

ken und Industriekunden sei riesengroß. Und

auchdeutsche Firmen, speziell aus demSaarland,

schauen neugierig nach Frankreich, denn die

geologischen Gegebenheiten in den Tiefen

Lothringens und des Saarlandes ähneln sich.

Kein Fracking

„Mit Fracking wie man es aus Australien, den

USA und Kanada kennt, hat die Gasgewinnung

bei FDE rein gar nichts zu tun“, erläutert Antoine

Focinal. Beimherkömmlichen Frackingmüssen

Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden

gepresst werden, um das Gas zum Beispiel aus

Schiefergestein herauszulösen. „Das ist bei dem

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> Weitere Infos: www.francaisedelenergie.fr