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Dumme rwe i se

änderte die Bundes-

regierung just in diesem

Moment die Förderkriterien

für PV-Anlagen, so dass dieses Geschäft

nicht mehr besonders rentabel war. Dennoch

hat die BEG sechs Anlagen ans Netz gebracht.

Danach setztendieGenossenalles aufWind. „Wir

wurden überall da vorstellig, wo überWind nach-

gedacht wurde“, sagt Selzer, und Millen: „Es

ging uns nie darum, reich zuwerden. Wir wollten

die Energiewende vorantreiben!“ Und das nach

ganz bestimmten Prinzipien, wie Henry Selzer

nachdrücklich betont: „Die Energiewendemuss

gut gemacht werden. Das heißt: Sie muss bür-

gernah sein, dezentral, mit lokalem Bezug und

einer Wertschöpfung in der Region. Das Ganze

unter Einbeziehung der Stadtwerke und vor allen

Dingen der kleinen Bürger.“ Bei der BEG ist man

schon mit 500 Euro dabei. Und noch ein Grund-

satz gilt: „Wer auf die Räder schaut, soll auch

was davon haben!“ Und das funktioniert, indem

die Mitglieder der BEG ihrer Genossenschaft

Kapital in Form von Mitgliedsanteilen und Pro-

jektdarlehen zur Verfügung stellen,mit demsich

dieGenossenschaft anden jeweiligenWindparks

beteiligt. DieBürgerbeteiligungserträgewerden

dann an die Mitglieder in Form von Dividenden

und Zinsen ausgeschüttet.

So ziehen die BEG-Genossen überall dort, wo

einWindprojekt geplant ist, durch dieDörfer, von

denen aus die Räder zu sehen sind. Das ist oft

mühsam, aber es gelingt den Männern der BEG

immer wieder, Akzeptanz in der Bevölkerung zu

schaffen. „Wir wollen es gut machen, im Sinne

maximaler Bürgerbeteiligung“. Und dass sie es

gut machen, zeigt zum Beispiel der Windpark

„W

ir wollen heiliggesprochen werden. Naja, der

saarländische Verdienstorden tut‘s auch!“

Henry Selzer und Jürgen Millen von der Bürger­

energiegenossenschaft Hochwald BEG nehmen sich

selbst ganz gerne auf die Schippe. Selzer ist Vorstand

der BEG, Millen der Aufsichtsratsvorsitzende. Beide

sind bekennende und überzeugte Ökologen. Selzer

war eine Gallionsfigur der Grünen, heute gehört er der

bunten Liste (Grüne, Linke, Piraten) des Gemeindera-

tes Weiskirchen an. Millen war aktiv im BUND und der

Grünalternativen Liste GAL.

Dass diese beiden einmal ins Energiegeschäft ein-

steigen würden, war nicht unbedingt zu erwarten. Bei

Selzer fing das Ganze schon 2001 an. Damals stellte er

den ersten Antrag auf Errichtung von Windrädern. Das

Hickhack, das in den Folgejahren um dieses Thema

gemacht wurde, brachte ihn auf die Idee, „dass es doch

ganz sinnvoll sein könnte, Bürgerbeteiligungsmodelle

zu entwickeln, um so Akzeptanz zu schaffen.“ 2012

war es dann so weit. Selzer konnte Millen überzeugen,

mitzumachen. „Es gab dann drei Workshops bei mir in

der Küche, dazu habenwir 20 potenzielleMitstreiter ein-

geladen. Nach drei Sitzungenwar klar, dasmachenwir.“

Zwei Überzeugungstätermit Sendungsbewusstsein und

Sachverstand. Henry Selzer, der Lehrer für Deutsch und

Englisch, war mal Bundesschatzmeister der Grünen.

Und Jürgen Millen ist Diplomfinanzwirt.

Den beiden war schnell klar, dass mit den Windrädern

„ein gewaltiges Konjunkturprogrammauf den Landkreis

zukommt.“ Selzer bedauert heute noch, dass die Bür-

germeister in ihrem „Kirchturmdenken“ nicht in der

Lage waren, effizient zusammenzuarbeiten und Sy­

nergien zu nutzen. „Gemeinsamhätteman ganz anders

mit Projektierern und Windradherstellern reden kön-

nen.“ Verpasste Chance.

So hat die BEG die Sache selbst in die Hand genommen.

Erst wollten sie sich auf Photovoltaik konzentrieren.

„Heilige” und

pragmatische

Ökologen

portrait

Die BürgerEnergieGenossen-

schaft Hochwald BEG