Previous Page  7 / 48 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 7 / 48 Next Page
Page Background

7

Stand der Dinge

Wie steht es um die Energiewende in Deutschland und welchen Weg haben wir

noch vor uns? Darüber diskutierten Fachleute aus der Energiepraxis vor rund

200 Gästen auf dem 5. Energiekongress im Saarbrücker Schloss. Veranstalter

waren die IZES ZukunftsEnergieSysteme gGmbH sowie die SaarLB.

Unumstritten ist, dass die Energiewende in Deutschland in der Gesellschaft an­

gekommen und unumkehrbar ist. Bemängelt wurde von Experten aus Wissen­

schaft und Forschung allerdings der regulatorische Ordnungsrahmen und der

schleppende Netzausbau, der allzu oft die regenerativen Energien ausbremst.

Befürchtet wird zudem, dass mit der Novellierung des Erneuerbare-Energien-

Gesetzes 2016 der Ausbau der Regenerativen sich weiter verlangsamt.

Ermutigend dagegen einige erfolgreiche Energie-Projekte aus der Praxis:

In der Uckermark, im Münsterland sowie in Nordhessen gibt es bereits

Kommunen, die ihren Stromverbrauch über das Jahr gesehen bis zu 70 Prozent

aus regenerativen Energiequellen decken. Zurzeit arbeiten diese Städte und

Gemeinden daran, überschüssigen grünen Strom anderweitig zu nutzen, zum

Beispiel für die Umwandlung in Wärme. Kritisch gesehen wird allerdings, dass

die Energiewende so gut wie nur an der Stromerzeugung festgemacht wird.

Der Wärme- und der Verkehrssektor, die den größten Teil der Primärenergie

verbrauchen, bleiben bei der Energiewende bisher praktisch außen vor. Die

so genannte Sektorkopplung, d. h. die übergreifende Nutzung der Energie in

den Sektoren Strom, Wärme, Verkehr, dürfte die Debatte der nächsten Jahre

bestimmen.

Wir alle sind gefordert

Niko Paech spricht von zwei Phasen in Deutsch­

land, als der CO

2

-Ausstoß zurückgegangen ist:

Nach der Wende 1990, als die ostdeutsche In­

dustrie am Boden lag und folgerichtig weniger

CO

2

ausstoßen konnte und nach der Wirtschafts-

und Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009,

als die Welt verunsichert war und weniger pro­

duzierte. Selbst der bisher nicht fertiggestellte

Berliner Flughafen sei eigentlich ein Glücksfall

für die Umwelt. Damit das Klimaziel mit 2,7

Tonnen CO

2

erreicht werden kann, schlägt er

drastische Maßnahmen vor: die Stilllegung von

Flughäfen und Autobahnen, um auf den frei­

gestellten Flächen maßvoll und ohne weitere

FlächenzerstörungWindkraft- und Photovoltaik­

anlagen auszubauen, die Verbreitung suffizienter

Lebensstile, punktuelleDeindustrialisierung und

Deglobalisierung der Produktionssysteme, Sa­

nierungsoffensive für Gebäude, Ausstieg aus der

Kohleindustrie, aber auch Abkehr vom Dogma

der Energiesicherheit.

Starker Tobak für unsere wachstums- und kon­

sumorientierte Gesellschaft. Er selbst fährt nur

Zug, besitzt kein eigenes Auto, kauft seine Pro­

dukte regional, besitzt weder Handy noch

Smartphone, repariert und trägt seine Kleidung

länger als üblich, aber seine CO

2

-Bilanz erreicht

trotzdem rund 4 bis 5 Tonnen, da er beruflich ab

und zu das Flugzeug nutzt, wie er zugibt.

Kein Grund für uns zu sagen, wenn der es noch

nicht einmal schafft, warumdann ich?Wir haben

es selbst in der Hand und können, ja sogar müs­

sen, unsere CO

2

-Bilanz durchaus verbessern.

Beispiele ohne großen Komfortverzicht gefällig?

Die Urlaubsziele mal näher der Heimat aussu­

chen, seinHaus wärmeisolieren, die Temperatur

im Haus 1 bis 2 Grad reduzieren, mal öfter das

Auto stehenlassen, spritsparender fahren, den

ÖPNV nutzen, frische regionale Produkte kaufen,

bei Konsumgütern darauf achten, wo sie herge­

stellt wurden und natürlich Stromsparen … das

kann schließlich jeder.

[nea]