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los. So kehrt er immer wieder zurück und will

denNiesen hoch über demThuner See (2.362m)

auch als Bergläufer zu Fuß bezwingen.

Der schnellste Fußweg auf den Gipfel ist für die

Öffentlichkeit eigentlich gesperrt: Die Treppe,

parallel zur Niesenbahn, wurde nur für deren

Wartung und für den Notfall gebaut. 11.674 Stu-

fen auf 3,4 Kilometer Länge, immer nur bergauf,

über 1.700 Höhenmeter, bei einem maximalen

Steigungswinkel von 68 Grad.

„DerNiesenlauf, das ist dieHölle, aber geil. Wenn

du Treppe für Treppe hoch läufst, dann wächst

du. Es ist die innere Größe. Es ist der Weg, auf

dem du zu dir findest“. Karl Reiß schafft es,

bei großer Hitze, bei mehr als 30 Grad Celsius

erreicht er nach 1 Stunde 39 Minuten und 29

Sekunden den Gipfel. Einen Moment lang ist er

glücklich und am Ziel. Aber, nach dem Lauf ist

vor dem Lauf. So trainiert Reiß weiter, eisern

und ausdauernd.

Zu seinem wöchentlichen Standardprogramm

gehört der Schwarzenbergturm. Um auf die

obere Aussichtsplattform in 46 Metern Höhe

zu gelangen, muss er 241 Stufen hinauf und

natürlich wieder hinunter.

Karl Reiß startet selbstverständlich pünktlich

um 9 Uhr. Fünf Helfer vom SV

Schlau.Com

Saar

05 und ein Kamerateam des SR sind da – sons-

tige Zuschauer: Fehlanzeige. Doch das ändert

sich. Für den ein- oder anderen Hobbyläufer

liegt der Turm auf der sonntäglichen Route.

Eine Gruppe des Saarwaldvereins Scheidt legt

auf ihrer Sonntags-Wanderung einen Stopp

ein. Sie feuern Karl Reiß am Fuße des Turms

nach jeder Runde lautstark an. Ein paar gehen

wenigstens einmal hoch zur Aussichtsplattform

und kommen dabei schon außer Atem.

Nach der 25. Runde hat er sein angesagtes Ziel

erreicht und 12.050 Stufen hinter sich. Doch er

macht noch nicht Schluss. Nach einer Stunde

und 55 Minuten entscheidet er sich aufzuhören,

nach sage und schreibe 15.424 Stufen. Nicht

etwa, weil die Beine oder Füße nicht mehr

wollen – er hat Schmerzen. Erst jetzt gibt Karl

Reiß ein kleines Geheimnis preis: „Ich hab einen

Nierenstein. Aber deshalb absagen wollte ich

meinen Spendenlauf auf keinen Fall.“

Ein Mann mit unbeugsamem Willen, scheinbar

unerschöpflicher Energie und einem großen

Herz. Sein Einsatz an diesem Sonntag brachte

rund 1.000 Euro in die Spendenbox.

[tb]

Oben: Ausschnitt aus dem Film über der Niesenlauf,

rechts oben: Eddi Hettinger, Karl Reiss, Rainer Maurer und

Thomas Braml (re.) vor dem Schwarzenbergturm.

Darunter: Oben angekommen sieht man erst

wie hoch man ist ...

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