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Nicht härter und mehr arbeiten, lautet deshalb

inZukunft dieDevise, sondern:Wissen, wenman

fragenmuss, wissen, womanWissen findet, wis-

sen, wie man produktiv zusammenarbeitet. Im

Netzwerk, in gemischten Teamsmit Jungen und

Alten, Frauen und Männern, Spezialisten und

Generalisten, im Teilen von Wissen, in flexiblen

Strukturen mit durchlässiger Information auf

allen Stufen, in einer dienenden Arbeitskultur,

die Fairness großschreibt, Befehl undGehorsam

ablehnt und internen Machtkämpfen in Unter-

nehmen wegen Unproduktivität die rote Karte

zeigt.

Das, so Händelers These, werde die Arbeitswelt,

den Umgang mit dem wichtigen und knapper

werdenden Gut Mitarbeiter, sprich Sozialverhal-

ten und Gesundheitsprävention der Menschen,

radikal verändern. „In einer immer komplexer

werdenden und globalisierten Welt werden

künftig nur die Standorte und Unternehmen

einen Vorteil haben, die das erkennen und sich

diese neue Arbeitsweise zu Nutze machen“, so

der Zukunftsforscher. „Wir werden hierzulande

nicht mehr Wohlstand erzielen, wenn wir zum

Beispiel mehr Windkraftanlagen, mehr Autos

oder mehr Smartphones produzieren.“ Die tech­

nischen Möglichkeiten dazu seien da und das

könnten andere Länder günstiger machen.

Als Wissensgesellschaft müssen wir einen an-

derenWeg einschlagen, umdie Produktivität zu

erhöhen. Das Festhalten an tradierten Arbeits-

formen, Herrschaftswissen, das Streben nach

Eigennutz, all das wird aus den Unternehmen

verschwinden, wollen sie Zukunft haben. „Es

gibt keineRückkehr in alte Industriestrukturen“,

schreibt Händeler den Unternehmens­chefs ins

Stammbuch. Entscheidend für eine erfolgreiche

Zukunft sei, wie die Menschen in den Unterneh-

men und Institutionen hierzulande künftig mit

dem Faktor Wissen umgehen wollen.

Planen, Organisieren, Lösen – das sind Kern­

auf­gaben in der Wissensgesellschaft. Das

vorhandene Potenzial in Unternehmen besser

nutzen, mehr in Bildung und Gesundheitsprä-

vention der Menschen investieren, die Ethik der

Arbeitskultur verändern sind dafür dieSchlüssel

der Zukunft. Händeler warnt vor dem Fehler,

die heutigen Arbeitsverhältnisse einfach 1:1

in die Zukunft transferieren zu wollen. „Das

funktioniert nicht.“

Wir alle sind aufgefordert, unser Tun unab-

hängig von hierarchischen Strukturen ständig

kritisch zu hinterfragen, eine Balance zwischen

Fremdnutzen und Eigennutz zu finden und uns

untereinandermit Fairness und Respekt vor der

jeweiligen Stärke des anderen zu begegnen. Die

Arbeit der Jungenwird erst durch die Sichtweise

der Älteren effizient, bringt Händeler es auf den

Punkt, macht den Alten Mut und dem Jugend-

wahn der Unternehmen einen Strich durch die

Rechnung. Das schlagkräftige Teamder Zukunft

zeigt eben ein anderes Gesicht: international

besetzt, Jung und Alt gemischt, Frauen und

Männer, vielfältig an Berufen.

(nea)

Zukunftsforscher Erik Händeler

bei seinem Vortrag in Saarbrücken

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>Weitere Infos:

www.erik-haendeler.de