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R isiken erkennen und Potenziale nutzen

Digitalisierung als Chance verstehen

D

ie Digitalisierungmit all ihren Chancen und Risikenwird

nach Meinung vieler Fachleute die Wirtschaft in den

nächsten Jahrendramatischverändern. EinigeUnterneh-

men sind früher betroffen, andere später, einige mehr, andere

weniger. Der digitale Wandel erfordert daher ein Überdenken

althergebrachter Unternehmensstrukturen, digitale Startups

werden den Platzhirschen das Leben schwermachen, wenn sie

sich nicht rechtzeitig auf Veränderungen einstellen. Aber auch

die Gefahren wie Cyberkriminalität und Datenmissbrauch rü-

cken mehr und mehr in den Mittelpunkt.

Inmotion hat sichbei IT-Fachleuten inDeutschland, inder saar-

ländischen Politik und bei Wirtschaftsverbänden und Institu­

tionen umgehört, wie sie die Digitalisierung einordnen und

welche Chancen das Saarland hat.

SaschaLobo

Autor,PublizistundStrategieberater

Daten werden zu Datenströmen

„Die größten

Veränderungen sehe ich aufgrund der zunehmen-

den „Sensorenflut“, die auf alle Menschen einpras-

selt. Daten werden zu Datenströmen. Diese Entwick-

lung ist durch das Smartphone dramatisch verstärkt worden.

So bietet ein amerikanisches Unternehmen bereits Echtzeit-

Versicherungspolicen fürs Fahren an. Dabei wird mittels des

Smartphones z. B. der Fahrstil erfasst und das Stadtviertel, in

demder Fahrer unterwegs ist. Auch die Pharmaindustrie nutzt

schon die Datenströme und setzt auf „das erste digitale Medi-

kament der Welt“. Ein Sensor auf einer Pille kann übermitteln,

ob ein Patient regelmäßig seine Medikamente einnimmt. Ärz-

te, Pharmaindustrie, Versicherungen sind höchst interessiert

an solchen Ergebnissen.

Deutschland geht es wirtschaftlich gesehen gut. Andere Län-

der stehen wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand und müs-

sen auf den InnovationszugDigitalisierung aufspringen. Erfolg

macht bekanntlich satt undmüde. Darin sehe ich eine gewisse

Gefahr, dass Innovationen und neueste Entwicklungen hierzu-

lande nicht für so wichtig gehalten oder die Chancen gar nicht

oder nicht rechtzeitig erkannt werden.“

Christoph Keese

Journalist, Publizist und Executi-

veVicePresident der Axel Springer SE

Arbeitsweise

in Deutschland verhindert Kreativität

„Damit

Deutschland imweltweiten Vergleich halbwegs den

Anschluss bei der Digitalisierung hinbekommt, braucht es

eineKultur desWagnis-Kapitals, dieKonzentrationder Politikauf

einZiel wiedenGlasfaserausbauunddasÜberdenkenderOrga-

nisationenundUnternehmenskulturen. Das räumlicheArbeiten

inDeutschlandzumBeispiel ist kreativitätsverhinderndesArbei-

ten, jeder im eigenen Büro, abgeschirmt, auf den Chef fixiert.

Gefahren sehe ich vor allembeimTrend zumMonopol – Goog-

le und Facebook machen 90 Prozent des Umsatzes bei digita-

lerWerbung – undbeimEntstehen virtueller Staaten nach dem

Motto „Die Welt gehört uns, wir bezahlen keine Steuern“. Viel

erschreckender fürmich ist aber die Frage der Macht. ImSilicon

Valley gehtman davon aus, dass alles Denkbare auch technisch

machbar ist, auch wenn das nach unseren Wertvorstellungen

nicht wünschenswert ist.

Das Saarland sehe ich gar nicht so schlecht aufgestellt. Die Uni-

versität braucht vollständige Autonomie, an den Schulenmuss

Programmieren Pflichtfach werden, als kleines Bundesland

könnte das Saarland das Delaware der USA werdenmit schnel-

lenEinträgenneuer Startups indasUnternehmensregister. Klei-

ne Bundesländer können das viel besser umsetzen.“

©

Mark Semmler

ehemaliger Hacker und heute

Geschäftsführer des IT-BeratungsunternehmensMark

Semmler

ITgehörtandenVorstandstisch

„Eine

derwohl größtenGefahren ist der lascheUmgangmit

Daten. Nach wie vor misst eine Vielzahl kleinerer Unter-

nehmen der Informationstechnologie nicht die entsprechen-

de Bedeutung zu. Alte und leicht zu hackende IT-Systeme sind

vielfach noch imEinsatz. Der Schlendrian nach demMotto „mir

wird schonnichts passieren“ lässt einemdieHaare zuBerge ste-

hen. IT ist nichts für die Basteljungs im Keller, sie gehört an den

Vorstandstisch. Da bleibt noch viel zu tun.“

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