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FrankMücklich ist ein leidenschaftlicher Wissen-

schaftlermit großemunternehmerischemTalent.

Er hat bei der Forschung immer auch die tatsäch-

liche Anwendung im Blick. Als Sohn einer Unter-

nehmerfamilie in der DDR hat Mücklich früh ge-

lernt, was es bedeutet, auch gegen Widerstände

unternehmerisch zu denken und zu handeln.

Wenn er ins Erzählen kommt, erwähnt er ganz

beiläufig, dass auch das Deutsche Zentrum für

Luft- und Raumfahrt angefragt hat. In der Inter-

nationalen Raumstation ISS gibt es Problememit

Keimen, die die Gesundheit der Besatzung ge-

fährdenkönnen.Mücklichs InstitutMECShat – auf

der Basis eben dieser Laser-Muster – bereits ein

Verfahren entwickelt, das die Oberfläche von

Kupfer keimfrei macht. Das könnte ein Meilen-

stein imKampf gegen Keime z. B. in Krankenhäu-

sern sein, wenn dort Türklinken und Treppenge-

länder in Kupfer gehalten werden.

Aber zurück zur ISS. Auch hier gibt es Ansätze,

der Keimflut Herr zu werden. Aber, ob das, was

auf der Erde funktioniert, auch in der Schwerelo-

sigkeit möglich ist, muss noch getestet werden.

2018 fliegt das Experiment der Saar-Forscher ins

All und wir drücken die Daumen.

Jetzt kommt die Probe auf Exempel. Konnte ich

Ihnen das, was da im Institut von Prof. Mücklich

geforscht wird, ein wenig nahe bringen? Wenn

nicht, muss ich – nach Einstein – beschämt zur

Kenntnis nehmen, dass ich es womöglich doch

nicht richtig verstanden habe. Das wäre bitter.

Wenn es mir aber wenigstens gelungen ist, Ihre

Augen zu öffnen für außergewöhnliche For-

schungsleistungen und -erfolge an unserer Uni,

dann hat es sich am Ende gelohnt, davon zu er-

zählen, wie das ist, wenn die Materialforschung

dafür sorgt, dass der Strom zur richtigen Zeit am

richtigen Ort ist ...

[med]

großartig. Dass Mücklich damit aber für sein

Lebenswerk ausgezeichnet wurde, gibt zudenken,

denn der Mann ist gerade mal 57 Jahre alt und

hat noch viel vor.

Nachdieser Info leicht eingeschüchtert, dennwas

weiß ichdennschon vonMaterialforschung, ging‘s

dann ans Eingemachte, an den Strom, den Mück-

lich zum Fließen bringt. Da der Professor super

gut erklären kann, denn frei nach Einstein: „Wer

es nicht einfach erklären kann, hat es selbst nicht

richtig verstanden“ bilde ichmir ein, einenkleinen

Einblick gewonnen zu haben. Ob ich‘s aber auch

wirklich verstanden habe, wird sich jetzt zeigen.

Es geht um den sicheren Transport von Strom

über einen absolut sicheren elektrischenKontakt.

Diese Kontakte werden in der zunehmend auto-

matisierten Welt, wo Roboter zur Altenpflege

eingesetzt werden sollen undAutos selbstständig

fahren, immer häufiger undwichtiger. Denn diese

Kontakte sind quasi das „Nervensystem“ der

unzähligen Sensoren, die die Automaten der di-

gitalen Welt auf Kurs halten. Kontakte verlieren

aber unter bestimmten Bedingungen kurzzeitig

ihre Leitfähigkeit, zum Beispiel, wenn die Ober-

flächen unter starker Beanspruchung verschlei-

ßen und oxidieren. Dann kommt der elektrische

Kontakt im schlimmsten Fall nicht zustande, der

Sensor fällt aus mit fatalen Folgen z. B. im Stra-

ßenverkehr.

Prof. Mücklich und seinen Mitarbeitern ist es

gelungen, die Oberflächen mit geometrischen

Mustern durch Laserstrahlen im Mikro- und

Nanobereich so zu bearbeiten, dass der elektri-

sche Kontakt und damit der Stromfluss ohne

Einschränkungen und Ausfälle gewährleistet ist.

Das ist eine Innovation, die vor allem die Automo-

bilindustrie interessiert. In Kooperation mit sei-

nem früheren Doktoranden aus Argentinien und

jetzigenKollegen an der TUDresden, Prof. Andres

Lasagni, konnte ein Fertigungsverfahren entwi-

ckelt werden, das in Kürze in die Automobilpro-

duktion integriert wird.

„Das erlebt man sehr selten. Hier könnenwir eine

Entwicklung tatsächlich von der Grundlagenidee

bis zur Produktionbegleiten. Das ist einwirklicher

Durchbruch. Das sage ich nicht häufig, aber in

diesem Fall stimmt es wirklich“, freut sich Mück-

lich. Wen wundert‘s, dass auch diese Innovation

mit einemnamhaftenPreis ausgezeichnet wurde.

Anfang September erhielten die Professoren

Lasagni undMücklich den renommiertenBertold

Leibinger Innovationspreis für angewandte La-

sertechnik.

https://www.youtube.com/

watch?v=Zq6-sH8_OhM