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Das müssen Sie näher erklären.

Die VSE verfügt über einen hervorragenden

Standort in guter Lage im Saarland, nah zu

Frankreich und ausgestattet mit einer Top-

Infrastruktur. Dazu zählen der Anschluss an die

Autobahn, eine eigene Schiffsanlegestelle, ein

Bahnanschluss mit mehreren Gleisen, Strom-,

Fernwärme- und Glasfaseranschluss, eine

Wasserentnahmestelle an der Saar, Gebäude

wie Labor, Sozialräume, Werkstätten, LKW-

Waagen und vielesmehr. Zudem ist der Standort

als Fläche für Ver- und Entsorgungsanlagen im

Flächennutzungsplan definiert. Diese Vorteile

waren mit ausschlaggebend, dass das mit der

Standortsuche beauftragte unabhängige Institut

dem EVS empfohlen hat, sich für Ensdorf zu

entscheiden. Wir hoffen, dass das Beispiel EVS

Schule macht und weitere passende Interes-

senten folgen.

Zu der erstklassigen Infrastruktur kommt un-

ser jahrelanges Know-how der Mitarbeiter bei

Betrieb, Wartung und Instandhaltung großer

energietechnischer Anlagen inklusive demener-

giewirtschaftlichen Management. Denn die VSE

kann integrierte Dienstleistungen wie Strom,

Wärme, Kälte, Dampf aus einer Hand liefern. So

könnte das aus der Biomasse gewonnene Gas

zum Beispiel für Trocknungsprozesse genutzt

oder in einem Block-Heizkraftwerk zur Gewin-

nung von Strom und Wärme eingesetzt werden,

die wiederum für andere Prozesse am Standort

benötigt werden.

Technische Anlagen, ggf. auch mit unterschied-

lichen Eigentümern, könnten energiewirtschaft-

lich optimal miteinander verknüpft werden. Das

dahinterstehende Konzept beruht auf einer in-

tensiven Sektorenkopplung. Das ist die übergrei-

fende Nutzung der Energie in unterschiedlichen

Sektoren wie beispielsweise die Umwandlung

von überschüssigem Strom zu Wärme. Die VSE

ist dabei offen für unterschiedliche Formen

der Kooperation, d. h. wir können die Anlagen

selber bauen oder für Dritte betreiben. Vieles

ist denkbar.

Wir sprechen in Ensdorf von einem vollinte­

grierten Standort mit einem 360°-Energie-

dienstleistungsangebot wie es vomKonzept her

auch an einigen anderen Industriestandorten in

Deutschland vorzufinden ist. Dieses Konzept ist

zukunftsorientiert und aufgrund der Sektoren-

kopplung energieeffizient und nachhaltig.

>

übernimmt die VSE dabei Verantwortung für die

dort lebenden Menschen, die Mitarbeiter mit

ihren Familien und für die Umwelt.

Zu den Perspektiven des Kraftwerksstandorts

Ensdorf sprach kontakt Redakteur Armin Neid-

hardt mit VSE-Vorstand Dr. Gabriël Clemens.

kontakt: Wie lange wird in den beiden Kraft-

werksblöcken noch Strom erzeugt?

Dr. Gabriël Clemens: Saarstahl ist Pächter von

Block 3 und hält wie bisher an der Kooperation

mit der VSE amStandort Ensdorf fest. Entschei-

dend für den Weiterbetrieb sind die politischen,

wirtschaftlichen und technischen Prämissen.

Dazu gehört vor allem auch, wie die EU den ord-

nungspolitischen Rahmen und die Novellierung

des EEG in Deutschland beurteilt. Wirtschaft­

liche Faktoren sind zumBeispiel die Entwicklung

desKohlepreises, die Transportkostenper Schiff,

die Preisentwicklung für CO

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-Zertifikate oder

die Strompreise und der Euro/Dollarkurs an den

jeweiligen Börsen. Und dann die technischen

Bedingungen. DasKraftwerk ist trotz zahlreicher

innovativer Maßnahmen in die Jahre gekommen

und irgendwann haben technische Anlagen das

Ende ihrer sinnvollen Lebensdauer erreicht.

AlsWirtschaftsunternehmenmuss sich die VSE

auf ein Ende der Stromerzeugung aus Kohle in

Ensdorf einstellen, zumal sich der politische und

gesellschaftliche Druck, aus der Kohleverstro-

mung auszusteigen, verschärft.

Ich möchte an dieser Stelle aber erwähnen,

welch‘ gute Arbeit die gesamte Kraftwerks-

belegschaft seit Jahren unter den genannten

schwierigen Bedingungen leistet, ob nun zur

Aufrechterhaltung des Betriebs oder bei der

Umsetzung der Umweltstandards.

Wie sieht die künftige Neuausrichtung des

Kraftwerksstandortes aus?

Wenn der Tag X kommt und die VSE auswelchem

Grundauch immer dieStromerzeugungausKoh-

le in Ensdorf nicht mehr aufrechterhalten kann,

wollen wir gewappnet sein. Darauf bereiten wir

uns seit längeremvor. Mit der Entscheidung des

EVS, das Biomasse-Zentrum zur Herstellung

von Strom, Wärme und Kompost aus saarländi-

schen Bioabfällen auf dem Kraftwerksgelände

zu bauen, ist ein erster wichtiger Schritt für die

Neuausrichtung getan. Unabhängig von der

derzeitigen Stromproduktion wollen wir einen

integrierten Standort für industrielle Tätigkeiten

entwickeln.