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Menschen, cabezas cuadradas halt, „Quadratköp-

fe“ wie Deutsche in Spanien manchmal genannt

werden. Micael habe immerhin schon Finnland

mit -29°C er- und überlebt, sagt er lächelnd, freut

sich aber diebisch, Weihnachten dann dochmal in

heimischen Gefilden bei der Familie verbringen

zu dürfen. Und wenn die Familie dochmal zuweit

weg ist, finden sie Trost bei Dunja Schneider von

der SHS Foundation. Als Projektleiterin ist sie

Mutter für alles und bringt schon aufgrund ihrer

Zweisprachigkeit das kulturelle Verständnis mit.

Sie versteht halt, wo der Schuh drückt.

Außer demSaarland haben die beiden noch nicht

viel von Deutschland gesehen. Keine Zeit, denn

drei Mal die Woche inklusive samstags heißt es

Deutsch lernen und Vokabeln pauken. Und es

klappe immer besser, versichert ChristianMaier,

VSE-Ausbildungsleiter inEnsdorf. DieGeduld und

die freundliche Beharrlichkeit der Kollegen sind

es, die Matías und Micael hervorheben. Auch die

Deutschen profitieren. Andere Kulturen, andere

Sicht- und Arbeitsweisen sind immer eine Berei-

cherung und man stelle sich mal vor, man wäre

Felix oder Paul in einer spanischen Werkstatt

nahe Alicante, fernab der Heimat, ohne Freunde

und Familie, eben ohne das Gewohnte.

Hut ab vor Menschen, die das positiv in Angriff

nehmen.

[nea]

der Stadt mehr unternehmen, neue Kontakte

knüpfen, vom größeren kulturellen Angebot

profitieren. Wichtig, damit die jungen Leute sich

wohlfühlen. Die neuen Eindrücke überwiegen,

aber das Meer fehle ihm doch ein wenig, gibt

Matías unumwunden zu. Abends mit Freunden

auf ein Bier bei lauschigen 30° C. Das klingt nett,

nach Urlaub. Paella valenciana, leckere Tapas,

vino tinto, Sonne satt und Strand pur, das Leben

auf der Straße, Party … So stellen sich viele bei

uns das schöne Leben in Spanien vor, aber die

Realität sieht anders aus. Hohe Arbeitslosigkeit,

bei den 18- bis 25-jährigen teilweise bis zu 50

Prozent, wenig Perspektiven auf Besserung.

Armes Europa! Da kam die Initiative der SHS

Foundation gerade recht. Denn hierzulande

suchen vor allem klein- und mittelständische

Betriebe händeringend Nachwuchs. Vielerorts

können Lehrstellen aufgrund des demografi-

schenWandels nicht mehr besetzt werden. Wenn

schon die französischenNachbarn nur schwer für

eine Ausbildung zu gewinnen sind, dann können

es vielleicht die Spanier richten wie Micael, der

übrigens in Paris geboren wurde und gern auch

mal demrunden Leder nachjagd, undwieMatías,

der gern Trompete spielt und in Alicante in einer

Band musizierte.

Der nächste Winter kommt bestimmt

Cojones haben sie, die beiden sympathischen

Spanier. Und sie würden gerne mal den freien

Fall üben, aus demFlugzeugmit demFallschirm

springen. Zuzutrauen wäre es ihnen, schließlich

haben sie ja das Abenteuer Deutschland gewagt

undsichnicht vonden vielenVorurteilenbeeindru-

cken lassen. Für viele Spanier liegt Deutschland

nämlich sprichwörtlich inSibirien,mit kaltenWin-

tern, dunklen Tagen, Eis und Schnee und sturen

Micael Barreda Virtanen

aus Santa Pola

und Matías Monzó-Díez

aus Alicante (linke Seite)