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Galgenberg in

Losheim. Hier gab

es weder Einsprüche

nochWiderstände. Der Zuspruch

der Bevölkerung war so groß, dass der Ei-

genanteil am Park allein durch Anteilsverkäufe

finanziert werden konnte, ohne zusätzliche

Darlehen, immerhin 2,6 Millionen Euro.

Insgesamt hat die BEG bisher Investitionen

von gut 20 Millionen Euro generiert. Das sind

stattliche Summen. Aber, so Henry Selzer:

„Wir werden auch in diesem Jahr noch keine

Dividende zahlen. Da die Investitionen in Wind-

kraftanlagen ja erst anlaufen müssen und am

Anfang noch keine Erträge bringen.“ Die BEG

Hochwald ist bisher an den Windparks Perl,

Büdingen-Silwingen, Losheim-Galgenberg und

Merchingen II beteiligt. Vier neue Projekte sind

in Planung, in Wadern, Mettlach, Schmelz und

Nonnweiler.

Die überzeugten Ökologen Selzer und Millen

haben offenbar keine Scheu, Windräder in die

Welt zu setzen. „Für mich ist Klimaschutz das

höhere Gut als ein Begriff von Naturschutz, der

die Natur konservierend betrachtet und den

Mensch als bösen Eingreifer in der idyllischen

Natur. Das ist für mich kein zeitgemäßer Na-

turschutz, das ist irreal“, ereifert sich Selzer.

„In den Genehmigungsverfahren sind so viele

bürokratische, präventive, zumTeil überzogene

Umwelt- und Naturschutzauflagen verankert,

wenn das so auch bei der Genehmigung von

Gewerbegebieten, der Trassenführung der Bahn

oder beim Straßenbau erforderlich würde, es

würde überhaupt nichts mehr gehen.“

Mit solchen Aussagen macht sich der Grüne

Selzer nicht unbedingt Freunde. Aber, das

schert ihn nicht. „Ichwar es einfach leid, nach den Kata-

strophen von Tschernobyl und Fukushima rituell auf der

Schengener Brücke Menschenketten zu organisieren.

Das ist reaktiv. Nach der Demo passiert dann nix mehr

bis zur nächsten Katastrophe. Ich wollte positiv zeigen,

dass es anders geht. Und das zeigen wir ja jetzt.“

Die Pragmatiker Selzer und Millen haben auch alte

Feindbilder verworfen. Für sie, diegrünenÖkologen, war

es keine Frage, mit der etablierten Energiewirtschaft

zusammenzuarbeiten, so auch mit der VSE. Der Wind-

park Perl ist ein Erfolgsmodell für VSE und BEG, mit

maximaler Bürgerbeteiligung und guter Rendite. „Wir

erleben es sehr positiv, wie die VSE sich in kurzer Zeit

kompetent imBereichErneuerbareEnergienaufgestellt

hat.“ Besonders gut sei die Zusammenarbeit mit Dr.

Frank Schmeer, der bei der VSE den Bereich Erneuer-

bare Energien verantwortet. Einweiterer Beweis für die

gute Zusammenarbeit ist, dass die BEG ihren grünen

Strom von der VSE direkt vermarkten lässt.

Da geeigneteWindstandorte endlich sind, denkt Jürgen

Millen schon an neue Geschäftsfelder. Nahwärme-

projekte zum Beispiel, Energieeffizienz und vielleicht

auch die Elektromobilität. „Wir haben viele Ideen, aber

jetzt müssen wir erst mal noch Geld verdienen für die

Anschubfinanzierung dieser neuen Projekte!“

Selzer und Millen sind beide über 60, aber noch lange

nicht müde. Deshalb planen sie für die Zukunft. „Wir

müssen uns so aufstellen, dass jüngere Vorstandsmit-

glieder in 5 bis 10 Jahren übernehmen und in unserem

Sinne weitermachen. Nicht auf die Rendite schauen,

sondern sich den Zielen, die wir hatten für eine gut

gemachte Energiewende verpflichtet fühlen.“

Und so halten die beiden Ausschau nach geeigneten

Nachfolgern. Aber ohne Eile, denn sie sind beide noch

gut im Saft und voller Tatendrang.

[med]

>Weitere Infos:

www.beg-hochwald.de

Zurzeit realisiert die VSE AG in Nohfelden-Eisen

einenWindparkalskommunalesPartnerschafts-

modell mit der GemeindeNohfelden. Es handelt

sich um drei Windenergieanlagen des Typs Ves-

tas mit einer elektrischen Leistung von jeweils

3,3 MW. Die Räder haben eine Gesamthöhe von

199Metern. Der Energieertrag beträgt ca. 20.900

MWh/a, das entspricht der Stromversorgung von

ca. 6.000 Drei-Personen-Haushalten pro Jahr.

Auch für denWindparkNohfelden-Eisen ist eine

Bürgerbeteiligung inPlanung. DerWindpark soll

Anfang des nächsten Jahres ans Netz gehen.

Jürgen Millen (li.)

und Henry Selzer