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einer Annahme von 750 Milliarden Tonnen CO

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weltweit. Das setzt allerdings eine Postwachs­

tumsökonomievoraus, diedrastischeMaßnahmen

erfordert und sich an individuellen CO

2

-Bilanzen

orientiert.“

Beispiele gefällig? Ist jemand ein Umweltfrevler,

wenn er einen Oldtimer mit extrem hohen Sprit­

verbrauchhat,ihnabernurdreimalimJahrbewegt

– ganz im Gegensatz zu seinem Nachbarn, der

einen emissionsarmen Kleinwagen besitzt, aber

jeden Tag damit 40 km zur Arbeit fährt? Verhält

sich der Eigenheimbesitzer mit Photovoltaikan­

lage auf dem Dach umweltkonform, wenn er

Vielflieger ist und zu seinem Fuhrpark noch ein

spritfressender SUV zählt?Was istmit demÖPNV-

Nutzer, der seine technischen Produkte aus

Fernost fast nur über das Internet bestellt? Oder

der veganeKollege, dermahnenddenFinger hebt

wegen des zu hohen Fleischkonsums und den

verheerenden Folgen für die Umwelt, sein Obst

aber per Flugzeug aus dem fernen Südamerika

oder Afrika kommen lässt?DieBeispielemachen

deutlich, dassdieCO

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-Bilanz jedesEinzelnenwohl

sehr unterschiedlich ausfallen dürfte. Ohne Än­

derung unserer Grundeinstellung zum Thema

nachhaltigesWirtschaften dürfte die individuelle

CO

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-Bilanzwahrscheinlichweiterhinhochbleiben.

Ein bisschen Kosmetik an der Bilanz, ein wenig

etwas für das guteUmweltgewissen– aber grund­

legende Veränderung? Kaumvorstellbar in unse­

rerGesellschaft, dieaufWachstum, Globalisierung

undGewinnmaximierungprogrammiert ist. Kaum

einPolitikerwürdesichdaswohl trauen, ernsthaft

vorzuschlagen und nur ansatzweise zu ändern.

D

as war starker Tobak für die Fans der Ener­

giewende in Deutschland, was beim5. Ener­

giekongress von IZES und SaarLB zu hören war.

Während Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

hierzulande fleißig an der Energiewende arbei­

ten, bereits rund 30 Prozent unseres gesamten

Stromverbrauchs aus regenerativen Energie­

quellen stammen, nach Atomausstieg es jetzt

auch denKohlekraftwerken an denKragen gehen

soll und die Null-Emissionskommunen wie

Pilze aus dem Boden schießen, kommt Prof. Dr.

Niko Paech von der Universität Oldenburg daher

und erklärt die Energiewende für eine Alibi-

Veranstaltung. Die Energiewende beziehe sich

lediglich auf den Stromsektor, der nur 13 Prozent

des Primärenergieverbrauchs in Deutschland

ausmache, berücksichtige so gut wie gar nicht

den Verkehrssektor und den Wärmemarkt,

vernachlässige die individuelle CO

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-Bilanz und

mache alles amtechnologischen Fortschritt fest.

Wirtschaftswachstummit grünemAnstrich, das

uns Sand in die Augen streut, unser Umweltge­

wissen beruhigt und uns Verbrauchern vorgau­

kelt, wir könnten immer so weiter wirtschaften,

ohne unsereAnsprüche anMobilität undKonsum

zurückzuschrauben. „Das muss scheitern, wol­

lenwir das Klimaschutzziel mit einermaximalen

Erderwärmung von 2 °C bis 2050 erreichen.

Jeder Deutsche verursacht durchschnittlich elf

Tonnen klimaschädliches CO

2

im Jahr, eine der

höchsten Werte in Europa. Nimmt man Klima­

schutz ernst, müsste der CO

2

-Ausstoß halbiert,

wenn nicht sogar auf 2,7 Tonnen pro Jahr und

Person in Deutschland reduziert werden bei

Energiewende

auf gutem Weg?

Ein Appell an

unser Umwelt­

gewissen

zwischenbilanz