Background Image
Previous Page  15 / 60 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 15 / 60 Next Page
Page Background

kontakt hat beim Initiator des AAL-Netzwerks

Saar, Prof. Dr. Wolfgang Langguth, nachge-

fragt, welche Chancen AAL für Menschen und

Wirtschaft bietet. Prof. Langguth arbeitet an

der Hochschule für Technik und Wirtschaft des

Saarlandes undkümmert sichmit einemkleinen

Team schwerpunktmäßig um den Aufbau einer

AAL-Infrastruktur im Saarland.

Wieso verbindet das AAL-Netzwerk die

Bereiche Technik, Gesundheit und Soziales?

Diese Bereiche gehören mehr und mehr zu-

sammen. Die Deutschen werden weniger und

älter, unsereGesellschaft wird bunter. In einigen

Jahren besteht der typische deutsche Single-

Haushalt aus Frauen, die älter als 65 Jahre

sind. Leider werden wir auch kränker und sind

zunehmend mehr auf fremde Hilfe angewie-

sen. Unser Anspruch ist es, möglichst lange

selbstbestimmt zu Hause bleiben zu können,

unabhängig in einer vertrautenUmgebung. Aber

die Menschen werden technikaffiner.

Was bedeutet das konkret?

Der Umgang mit innovativer Gebäudetechnik

sowie mit modernen Kommunikationsmitteln

wie Tablet-PC, SmartphoneundHandy dürfte bei

denälterwerdendenGenerationenkeinProblem

mehr sein. Selbst bei den heutigen Rentnern ist

die Hemmschwelle gering geworden. Tablets

und Telefone sind heutzutage einfach bedienbar.

Nicht zu vergessen, dass die Senioren von heute

im Durchschnitt sehr kaufkräftig sind. Das er-

kennt zunehmend auch die Wirtschaft.

Da entsteht also ein riesiger Markt?

Klares ja! DieMenschenwollen selbstbestimmt

leben, haben dabei ein hohes Bedürfnis nach

Sicherheit. Damitmeine ichnicht nur denSchutz

vor Einbrechern oder vor Feuer, sondern die

Sicherheit, bei einem plötzlich auftretenden

Krankheitsfall oder Unfall sofort Hilfe zu bekom-

men, sei es von Ärzten, Familienangehörigen

oder Freunden. Die technischen Produkte dafür

gibt es bereits, zum Beispiel ein automatischer

Notrufauslöser.

MenschenbrauchendasGefühl vonSicherheit in

ihren eigenen vierWänden. Neubauten gleich im

Hinblick auf das Alter ausstatten, Bestandswoh-

nungen altersgerecht und barrierefrei umbauen,

da steckt jede Menge Potential allein für das

Handwerk drin.

Was kann das AAL-Netzwerk Konkretes

beisteuern?

Wir sind ein Netzwerk von 100 Partnern aus

Politik, Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft.

In sieben Arbeitsgruppen erarbeiten wir Vor-

schläge, wie eine AAL-Infrastruktur aussehen

könnte.

Wie wollen Sie das in Anbetracht leerer

öffentlicher Kassen finanzieren?

Gewisse Mittel bekommen wir zwar vom Bund

und vom Land, aber ich setze verstärkt auf die

Wirtschaft. Die Unternehmen sollen von dem

entstehenden Markt profitieren, gleichzeitig

aber auch ihren gesellschaftlichen Beitrag

zum demografischen Wandel leisten. Gewinn-

orientierung und Idealismus müssen sich nicht

ausschließen.

Wir sind ein Interessenverband, ein Experten-

gremium im Netzwerk mit der Wirtschaft.

Wo gibt es erfolgreich umgesetzte Beispiele

im Saarland?

Wir haben über den Netzwerkpartner WOGE

Saar zwei Bestandswohnungen aus den 60er/

70er Jahren in der Hohenzollernstraße in Saar-

brücken. Einewird altersgerecht und die andere

behindertengerecht bis zum Herbst dieses

Jahres ausgestattet. Sie dienen als Besichti-

gungsobjekt, sollen aber auch für Seminare und

Schulungen genutzt werden. Des Weiteren wol-

lenwir eine Art Verbraucherzentrumeinrichten.

Es gibt im Saarland bereits zwei AAL-Berater

in Saarlouis und Homburg. Zudem waren wir

konzeptionell mit einer AAL-Umgebung im

Seniorenhaus Theley beteiligt. In Saarlouis und

Illingen werden weitere Projekte starten.

Wir solltennicht denFehlermachen, AAL-Diens-

tenurmit alterndenoder behindertenMenschen

in Verbindung zu bringen. Die Schaffung einer

AAL-Umgebung hat viel mit Komfort zu tun.

Energie-Effizienz, komfortable Gebäudetechnik,

schnelles Internet, Einbruchschutz, Brandmelde­

alarm, Telemedizin … das Feld ist riesig. (nea)

Initiator des AAL-Netzwerks Saar,

Prof. Dr. Wolfgang Langguth

15

>Weitere Infos:

w.langguth@aal-saar.de

www.aal.htw-saarland.de

Die VSE-Gruppe

und das AAL-Netzwerk

VSE, VSE NET, FAMIS,

ENERVENTIS – sie alle ge-

hören demAAL-Netzwerk

des Saarlandes an. Inno-

vative Gebäudetechnik für

ein Mehr an Komfort und

Energie-Effizienz sowie

Glasfaseranbindung der

Häuser und Wohnungen

zur schnellen Datenüber-

tragung sind wichtige

Voraussetzungen für eine

funktionierende AAL-

Infrastruktur. Die VSE-

Gruppewill als Infrastruk-

turdienstleister an diesem

zukunftsträchtigen Markt

teilhaben.