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egelenergie wird immer wichtiger, um

Schwankungen von Wind und Sonne im

Stromnetz auszugleichen. Mit der Siemens-

Pooling-Lösung können auch kleine Stromer-

zeuger an diesemattraktivenMarkt teilnehmen

und helfen damit auch der Energiewende.

Die Herausforderung

Das Energiekonzept der Bundesregierung sieht

als wesentliche Ziele neben einer

Halbierung des Primärenergiever-

brauchs die Erzielung eines Anteils

von 80 % erneuerbarer Energie am

Bruttostromverbrauch bis ins Jahr

2050 vor. Trotz dieses wesentlichen

UmbausdesdeutschenVerbrauchs-

und Erzeugungssystems soll die Zuverlässigkeit

und Bezahlbarkeit der Energieversorgung wei-

terhin uneingeschränkt gewährleistet bleiben.

Zur parallelen Erzielung aller Ziele ist daher ein

von Beginn an effektiver und effizienter Umbau

unserer Energieversorgungslandschaft zwingend

erforderlich. Hierzu ist eine Auswahl der wirk-

samsten Mittel in Kombination mit einem op-

timalen Kosten-Nutzen-Verhältnis festzulegen.

Das Problem

Der aktuell vorliegende Bestand der Deutschen

Energieversorgungslandschaft bildet das Resul-

tat einer nunmehr über rund einhundert Jahren

fortwährenden Fortentwicklung innerhalb der

einzelnen Sektoren Strom, Gas und Wärme mit

ihren spezifischen Märkten und Infrastrukturen.

Ereignisse der jüngeren Vergangenheit wie der

Zeitraum des Februars 2012 sowie die planba-

re Sonnenfinsternis während des 20. März 2015

zeigten die Bewältigbarkeit angespannter Ver-

sorgungssituationen auf Basis der aktuellen

Versorgungssystematik (weitestgehend mit Fle-

xibilitätserbringung aus konventionellen Erzeu-

gungsanlagen), wiesen aber auch bereits auf die

zunehmende Labilität der Versorgungsstabilität

im Zuge der Energiewende und die Notwendig-

keit einer Sektorenkopplung überMediengrenzen

hinweg hin.

Der Weg zur Lösung

Im Sinne der Bezahlbarkeit der Energiewende

und Steigerung der Effizienz zur raschen Umset-

zung ist es daher notwendig, bestehende flexible

Infrastrukturen nicht nur weiterhin aktiv in die

Stützung der Netze als stabile Ausgangslage ein-

zubinden, sondern durchmedienübergreifenden

Einsatz geeigneter Infrastruktureinrichtungendie

Attraktivität derenBetriebs und damit auch deren

infrastrukturellen Ausbau nachhaltig zu fördern.

Jedoch gestaltet sich die aktuelle Marktlage für

den Einsatz flexibler Anlagen als zunehmend

kritisch. Infolge einer Umstellung des Gasbi-

lanzierungsmodells von der Stunden- auf eine

Tagesbilanzierung wurden verbrauchernahe

kommunale Speicheranlagen (v. a. Kugel- und

Röhrenspeicher) quasi über Nacht

gänzlich entwertet. Entsprechend

setzte zeitnah nach dem01.10.2008

eine deutschlandweite Rückbau­

tendenz ein, welche sich bis heute

fortsetzt. Prominentestes Beispiel

der nahen Vergangenheit: der Rück-

bau der Kugelspeicheranlagen in Ludwigshafen

(TWL) zu Beginn 2016. Die Gasinfrastruktur als

flexible Speichermöglichkeit und Reservepuffer

zur Stromnetzstützungwird nur unter Erhalt die-

ser Anlagentypen möglich sein. Hierfür wäre es

jedoch zwingend erforderlich, Gasnetze zukünftig

durch Vereinheitlichung undModernisierung der

Steuerungstechnik konform mit den stromsei-

tigen Anforderungen zu flexibilisieren, um eine

ausgewogeneSektorenkopplung zwischendiesen

beiden Medienklassen effektiv gewährleisten zu

können. Erster Lichtblick undBeginn einer Kehrt-

wende in die richtige Richtung: das Eckpunkte-

papier des Bundeswirtschaftsministeriums zur

Stärkung der Versorgungssi-

cherheit im Gas. VSE beteiligt

sich aktiv bei dessen Umsetzung

im Zuge der Unterstützung von

Industrie- und Händlerverbän-

den.

Ebenso imBereich der aktuellen

Flexibilitätsmärkte Stromgestal-

tet sich der nachhaltige Erhalt

des gegenwärtigen Umfangs der Flexibilitätsre-

serven als schwierig. Der zunehmende Wertver-

fall der EinsatzschwerpunktmärkteMinuten- und

Sekundärreserve führt zu einer fortschreitend

schwindenden Bereitschaft assetbetreibender

Unternehmen, ihre Anlagenflexibilität zur Un-

terstützung der Versorgungssicherheit und damit

Nachhaltigkeit der Energiewende zur Verfügung

zu stellen. Ursache hierfür ist weniger in techni-

schen als vielmehr unzureichend ausgeprägten

Energy-Only-Markt-Strukturen zu sehen. Daher

sind Studien zurMarktraumumstellung und einer

Akzeptanzförderinitiative sowie zur Fortentwick-

lung aktueller Regelenergiemärkteunter Integra-

Wir können Anlagen, die

durch die Energiewende

quasi an Bedeutung verlo­

ren haben, wieder nutzen.

Werner Spaniol,

Vorstand KEW AG

Virtuelle Kraftwerke sind ein

wichtiger Baustein beim Aufbau von

intelligenten Stromversorgungs­

netzen. Ohne sie ist die Energie­

wende nicht zu schaffen.

Jan Mrosik, CEO der Division

Energy Management von Siemens