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Prof. Dr. Wolfgang Huber

Theologe und ehe-

maliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche

Wir sind vor allem erst einmal Mensch

„Ich

wehremichvor allemgegendenBegriff„digital nati-

ves“. Fürmich sindMenschen analogeWesen, die selbst

frei bestimmen können. Aber ich mache mir keine Illusionen.

Obwohl ich selbst in keinemsozialenNetzwerkMitgliedbin, ist

mir klar, dass dieDigitalisierungnicht aufzuhalten ist. Trotzdem

warne ich davor, jede technische Veränderung als Fortschritt

zu sehen. Von Fortschritt kann man erst reden, wenn die Ver-

änderung gesellschaftlich akzeptiert ist. Bei manchen Facet-

ten der Digitalisierung kann man berechtigte Zweifel haben.“

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Dr. Heino Klingen

Hauptgeschäftsführer der

IHK Saarland

Flächendeckende Infrastruktu-

rinvestitionengefordert

„Diemittelständische

WirtschafthatdieHerausforderungenderDigitalisie-

rung erkannt. Nicht wenigeUnternehmenwissen sie schon für

sich zu nutzen, bei anderen gibt es dagegen noch Spielraum

nach oben. Aus unserer Sicht bietet die Digitalisierung mehr

Chancen als Risiken. Damit die Potenziale auch tatsächlich aus-

geschöpft werden, muss die Politikmit Infrastrukturinvestitio-

nen flächendeckend die Voraussetzungen für einen schnellen

Internetzugangschaffen. Hier sindwir in intensivenGesprächen

mit der Landesregierung.

Zudem informierenwir unsereMitglieder auf Veranstaltungen,

inWorkshops und Beratungsgesprächen über die Themen In-

dustrie4.0, CloudComputing, BigDataunde-Commerce sowie

über aktuelle technische Entwicklungen, diedenbetrieblichen

Alltag verändern.“

Dr. Harald Bellmann

Vorsitzender Arbeitskreis

Wirtschaft

Schnelles Internet als Vorausset-

zung unabdingbar

„Der Breitbandausbau ist

wichtigste Voraussetzung für die Digitalisierung.

Ohne schnelles Internet kann dieWirtschaft die sich bie-

tenden Vorteile nicht nutzen. Hier besteht weiter dringender

Handlungsbedarf. Der Mittelstand, den wir im Arbeitskreis

Wirtschaft vertreten, ist bei der Digitalisierung unterschied-

lich aufgestellt – die einen gut, die anderen weniger gut. Wir

versuchen auch in Kooperation mit anderen Verbänden und

Kammern beispielsweise durch Veranstaltungen, auf Defizite

hinzuweisen und sie abzustellen.“

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Anke Rehlinger

Ministerin für Wirtschaft, Ar-

beit, Energie und Verkehr des Saarlandes

Kleine

und mittlere Unternehmen mitnehmen

„Für

mich ist wesentlich, dass wir die kleinen und mittle-

renUnternehmenmitnehmen indiedigitaleWirtschaft.Mit un-

seremKompetenzzentrum„Power4Production“ habenwir da-

für dieWeichengestellt.Wir bauenzumBeispiel einpraxisnahes

Netzwerk auf, umdiemittelständischen Unternehmen gezielt

an innovative Produktionstechnologie heranzuführen. Kein

Betrieb soll den Anschluss verlieren, jeder soll die Chance ha-

ben, aus der vierten industriellenRevolutionNutzen zu ziehen.

Aber auch die Gestaltung der Arbeitswelt der Zukunft muss

immer unter der Prämisse „Gute Arbeit“ erfolgen. Der Mensch

steht im Mittelpunkt. Hier bietet die Digitalisierung auch

Chancen für neue Beschäftigung. In diesemZusammenhang

gewinnen die Themen Qualifizierung, Aus- und Weiterbil-

dung immer mehr an Bedeutung und stehen daher bei unse-

ren industriepolitischen Leitlinien im Mittelpunkt. Die Wei-

terentwicklung des Aus- und Weiterbildungsangebotes von

den allgemeinbildenden Schulen über die Berufsausbildung,

Hochschullehre bis hin zur Qualifizierung der Beschäftigten

muss sich am Puls des technologischen und digitalen Fort-

schritts orientieren.“

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Wahlster

Vorsitzender der Geschäftsführung Deutsches For-

schungszentrumfür Künstliche Intelligenz

Enorme

Chancen für das Saarlandmit Industrie 4.0

„Die erste Digitalisierungswelle führte dazu, dass heute alle

Daten digital erfasst, gespeichert, übertragen und verarbeitet

werden. Diese Entwicklung ist weltweit weitestgehend abge-

schlossen und die Märkte sind gesättigt. Jetzt geht es darum,

die neue Ultrakonnektivität zwischen Billionen von Sensoren

und Aktuatoren über Künstliche Intelligenz mit maschinellem

Lernen und semantischen Technologien zu nutzen, um kog-

nitive Systeme auf den Markt zu bringen, welche eine Digita-

lisierungmit „Sinn und Verstand“ ermöglichen. Damit werden

Massendatenmengen aus Texten, Bildern, Videos, Messwerten

und Benutzeraktivitäten nicht nur digital erfasst, sondern in-

haltlich analysiert, so dass völlig neuartige kognitive Systeme

als digitale Assistenten des Menschen entstehen. Fakt ist: das

Saarlandhat diehöchsteDichtean Informatikernund Industrie-

beschäftigten. Damit hat es enormeChancenbei der aktuellen

zweiten Digitalisierungswelle mit Industrie 4.0, Smart Service

Plattformen und autonomen Systemen, die wir im Digitalisie-

rungsrat des Saarlandes umsetzen wollen.“

Annegret Kramp-Karrenbauer

Ministerpräsi-

dentin des Saarlandes

Mehrwert imLand lassen

„Von der Digitalisierung sind mittlerweile so gut

wie alle Branchen im Saarland betroffen. Sie greift

aktiv in unsere Strukturen ein beispielsweise bei der Aus- und

Weiterbildung. Die Frage ist, wiewir dieDigitalisierung imSaar-

land nutzen, damit für das Land und die Bürgerinnen und Bür-

ger die bestmöglichen Ergebnisse erzielt werden können. Das

diskutierenwir u. a. auch imDigitalisierungsrat. Wirwollenund

müssen die Digitalisierung so gestalten, dass der Mehrwert im

Land bleibt. Das Saarland ist in der IT inzwischen sehr gut auf-

gestellt. Nicht umsonst fandder IT-Gipfel der Bundesregierung

imNovember in Saarbrücken statt. Das sindAnerkennungund

Ansporn zugleich.“

Alexander Graf Lambsdorff

Stellvertretender

Präsident des Europäischen Parlaments

Frequen-

zen europäisch versteigern

„Die Telekommu-

nikation ist in der EU eine nationale Angelegenheit.

Technischwäre es laut Aussagen von Fachleuten keinProblem,

grenzüberschreitendeNetze zuhaben. Die einzelnenMitglied-

staatender EUwollen ihreFrequenzenaber lieber selbst verstei-

gern, um die daraus resultierenden Einnahmen für sich zu ge-

nerieren. ImPrinzipmüssten die Staaten sich darauf verständi-

gen, die Frequenzen fürMobilfunk europäisch zu versteigern.“