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altersgerecht gestaltet wären. Das würde nicht nur

die Lebensqualität für dieseMenschen verbessern,

sondernauchKosteneinsparungenvon5Milliarden

Euro einbringen.

Im Saarland wurde dafür das AAL-Netzwerk Saar

„Ambient AssistedLiving“ gegründet. Darunter ver-

steht man das Zusammenwirken von modernen

technischen Systemen der Kommunikations- und

Gebäudesystemtechnik eingebettet in Dienstleis-

tungen aus den Bereichen der Sozial- undGesund-

heitsberufe sowiedesHandwerks undhaushaltsna-

her Dienstleister. Ziel ist es, Menschen jeden Alters

mit Einschränkungen oder Behinderungen in die

Lage zuversetzen,möglichst lange selbstbestimmt

zu leben, sei es zu Hause, amArbeitsplatz oder un-

terwegs. ImNetzwerk arbeitenüber 100Partner aus

Politik, Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft zu-

sammenu. a. auchdie VSE-Gruppemit der VSENET

und FAMIS. Schließlich sind die Kommunikations-

und Gebäudetechnik lukrative und zukunftsorien-

tierte Bereiche. Initiator des AAL-Netzwerks Saar ist

Prof. Dr.WolfgangLangguthvonderHochschule für

TechnikundWirtschaft des Saarlandes. Er kümmert

sich mit einem kleinen Team schwerpunktmäßig

umdenAufbaueiner AAL-Infrastruktur imSaarland.

Zwei Musterwohnungen

ÜberdenNetzwerkpartnerWOGESaarwurdenzwei

Bestandswohnungen aus den 60er/ 70er Jahren in

der Hohenzollernstraße 113 in Saarbrücken alters-

gerecht bzw. behindertengerecht ausgestattet. Seit

MitteSeptemberdienensiealsBesichtigungsobjekt

undsollenkünftig für SeminareundSchulungen für

Planer, Berater und Handwerker genutzt werden.

Als Netzwerkpartner hat die VSE NET die Wohnun-

gen an ihr Glasfasernetz angeschlossen, denn die

vielen Sensoren und elektronischen Hilfen benöti-

gen für ihre Funktionsweise eine schnelle Kommu-

nikation. Das beginnt mit einfachen Dingen wie

Bewegungsmelder für Licht, wennman nachtsmal

aufstehenmuss,fürsämtlicheSmart-Home-Anwen-

dungenwie Fenster- undTürenschließen, Rollläden

herauf- und herunterfahren per Knopfdruck oder

Temperaturregelungen, über den großen Bereich

der Telemedizin wie Medikamentenüberwachung

für Risikopatientenbis hin zur intelligentenBenach-

richtigungstechnik von Angehörigen oder Ärzten

per Smartphone oder bedienungsfreundlichem I-

Pad im Notfall. Außerdem können sich Interessen-

teneinenÜberblick verschaffenüber die vielenme-

chanischenHilfsmittel wie altersgerechte Flaschen-

und Dosenöffner, Küchenmesser und sprechende

WaagensowiediekleinenelektronischenHelferwie

automatisierte Teppichkehrer und Fensterputzge-

räte. Selbstverständlich sind Bäder und Küchen auf

die Bedürfnisse imAlter hin ausgestattet, etwa bar-

rierefrei und höhenverstellbar.

Es sindoftmals die kleinenundgar nichtmal so teu-

ren technischenHilfsmittel, die imAlter einbisschen

mehr Komfort bringen und den Tagesablauf unter-

stützen. „Wichtig ist imAlter oder bei Behinderung

das hohe Bedürfnis nach Sicherheit im Falle eines

Unfalls, eines Brands oder einesmedizinischenNot-

falls“, betont Prof. Langguth. Die Sensor- undNach-

richtentechniken bieten den Menschen dafür alle

Vorteile, so Langguthweiter und fordertWirtschaft

und Politik zumHandeln auf. InNeubautenundbei

der Sanierung von Bestandswohnungen sollte bei

der Planung von Vornherein auf altersgerechte Be-

dürfnisse geachtet werden. Denn eines ist sicher:

Wir werden alle älter, sind vor Unfällen nicht gefeit

und demnach ausnahmslos betroffen.

Eine der größtenHerausforderungen besteht nach

Meinung Langguths darin, die gesamte Technik

und die vielen Hilfsmittel zum Standard und damit

markttauglich zumachen. Dennder Erfolgder AAL-

Systeme hängt letztendlichdavon ab, obdie Syste-

me für jeden Einzelnen nicht nur nützlich und ein-

fachbedienbar, sondern auchfinanziell erschwing-

lich sind. DerMarktwerde es richten, zeigt sichProf.

Langguth optimistisch für die Zukunft. Aber auch

demDatenschutz vor allembei der Telemedizinge-

hört großeAufmerksamkeit. Esmüsse klar geregelt

werden, was Unternehmen dürfen und was nicht,

wenn sie sensibleDatenEinzelner bekommen. Prof.

Langguth schlägt dafür die Einrichtungeiner unab-

hängigen Datenethikkommission vor.

WOGE-Geschäftsführerin Rita Gindorf-Wagner,

Staatssekretär Jürgen Barke und

Prof. Dr. Wolfgang Langguth (v.l.)