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kette, Dokumenten-Archivierungund -Verwaltung

(Dossiers, Briefe, Mails, Rechnungen) oder um die

Produktion mittels 3D-Technik, die in zahlreichen

Handwerksbetrieben bereits eingesetzt wird.

VieleHandwerkerwerdendiese Techniken

vor Ort nutzen. Denn eines darf man

nicht vergessen: Ihre Professionalität

beruht auf der Qualifikation, dem

Know-howunddemKönnen. Eine

Vielzahl neuerUnternehmensetzt

heute auf ein ausgewogenes Ver-

hältnis von Ingenieuren und Uni-

absolventen im weitesten Sinne.

Deshalb glauben wir an die digita-

le Wende, stehen hinter ihr und ha-

benauchdieentsprechendenMittel und

Maßnahmen, damit sie gelingt. Deshalb ha-

ben wir das Projekt Handwierk 4.0 gestartet.

Worum handelt es sich genau?

Der BegriffHandwierk 4.0bedeutet den Einzugder

Technologien und der digitalen Werkzeuge wie

elektronische Plattformen, Apps, Sensoren, intel-

ligente Objekte, Drohnen, Cloud-Computing, Big

Data etc., die die Produktionsprozesse, Dienstleis-

tungsprozesse und Vertriebswege des Handwerks

verändern. Die Handwerksbetriebe werden ge-

zwungen, ihre Geschäftsmodelle und Organisa­

tionsstrukturen zu überdenken. Wir sind heutzu-

tage in einer neuen Ära der Wertschöpfungskette.

Das zeigt sich durch neue Wettbewerber auf unse-

ren Märkten. Deshalb werden wir auch nicht alle

unserederzeitigenMarktpositionenhaltenkönnen.

Angesicht der großenUmwälzungenmuss sichdas

Handwerk Fragen stellen, denndieVeränderungen

sindnicht aufzuhalten. Sie zu leugnenoder abzuleh-

nen könnte für die Verweigerer amEnde des Tages

fatale Folgen haben.

Sind alleHandwerker für dieDigitalisierungbereit?

Nein, einige Unternehmen überlegen noch, ande-

re sind schon einen Schritt weiter und analysieren

ihre Prozesse und Aktivitäten zumBeispiel ihre Lie-

feranten- undKundenbeziehungen, ihr Rechnungs-

wesen, ihreAuftragsbearbeitungusw. Es gibt auch

Unternehmen, die haben ihre Prozesse bereits an-

gepasst oder umgestellt. Unsere Mitgliedsunter-

nehmen bilden eine homogene Einheit. Das ist ei-

nerseits unsere Stärke, aber manchmal auch unse-

re Schwäche.

Mit Handwierk 4.0will die Handwerkskammer ihre

Mitglieder für den Wandel und seine Auswirkun-

gen sensibilisieren und unterstützen. Es geht um

Überlegungen und Informationen, wie die neues-

ten Werkzeuge und Praktiken, sogar die Anpas-

sung von Produktionsprozessen, am besten inte-

griert werden können.

Wie sieht konkret Ihre Marschroute aus?

Wirwollenzuallererst unsereMitglieder

informieren und sensibilisieren für

die anstehenden Herausforderun-

gen und Auswirkungen, die diese

Veränderungen mit sich bringen.

Für eine bessere Kommunikation

werden wir so genannte Digita-

lisierungsbotschafter benennen,

die in den Unternehmen vorspre-

chen. Wir erhoffen uns davon eine po-

sitive Kettenreaktion. Einziger Wermuts-

tropfen ist die Finanzierung dieser Projekte.

Aber dafür werden wir eine Lösung finden.

Zurzeit gehen wir das Thema Fortbildung an. Ge-

meinsam mit unseren Fortbildungszentren ver-

suchenwir die Unternehmen und ihreMitarbeiter

auf die Welt von morgen vorzubereiten. Das Kom-

petenzcenter IKT wurde bereits mit Personen aus

der IT-Branche auf den Weg gebracht. Außerdem

informieren wir unsere Mitglieder über Maßnah-

men und bestehende Investitionshilfen, um den

digitalenWandel imUnternehmenumzusetzen je

nach Bedürfnis und Zielsetzung. Dabei probieren

wir auch neue Unterstützungsmodelle aus. Wenn

die Technologiengünstigerwerden, hat das nichts

mit der Implementierung in den Unternehmen

und mit der Unterstützung des Personals zu tun.

Wir haben gerade eine große Umfrage gestartet,

umzuwissen, wowir stehenund zwar unsereBran-

che insgesamt und jedes einzelne Unternehmen

für sich. Uns geht es darum, unsere Besonderhei-

ten, unsere Stärken und Schwächen besser zu ken-

nen, damit wir konkret und gezielt auf die digitale

Wende reagieren können.

Welche starke Botschaft wollen Sie damit kom-

munizieren?

Eines ist sicher: Uns ist ganz klar, dass die Digitali-

sierung Auswirkungen auf die Arbeit und unsere

Berufe haben wird. Dass sich andere Unterneh-

mensmodelle entwickeln werden, dass vielleicht

andere Techniken, andere Praktiken und Kunden-

erfahrungen insbesondere aufgrund der Mobili-

tät integriert werden. Ich mache keinen Hehl da-

raus: Wir werden uns zunächst anpassen müssen.

In welche Richtung und wie? Das wissen wir nicht

sogenau.Wirwissennur, dasswir vorangehenund

handeln müssen, bevor es zu spät ist.