FAKT 1-2017

01 | 2017 FAKT 5 4 FAKT 01 | 2017 innovativ verfolgt Enkenbach-Alsen- born seit mehr als 20 Jahren konse- quent die Idee einer autarken grünen Energieversorgung. Ein Drahtseilakt sondergleichen, der in der bundeswei- tenEnergieszene aufhorchen lässt und die Hoffnung birgt, dass Enkenbach- Alsenborn eines Tages viele Nachah- mer für die dort bereits weit fortge- schrittene Energiewende findet. Vor- bild sein für andere, kämpfen für die Sache, zusammenstehen – das verkör- perte schließlich auch FritzWalter, der heute bekannteste Mit- und Ehrenbür- ger Enkenbach-Alsenborns, der 35 Jahre hier gelebt hat. Energiewende von A bis Z Nahwärmeversorgung, Biomasse- Heizkraftwerk, mobile Block-Heiz- kraftwerke, Holzhackschnitzelheizun- gen, Photovoltaik, virtuelles Kraftwerk oder E-Mobility – die lokale Energiever- sorgung liest sich wie ein Lehrbuch für die Energiewende in Deutschland. Zu den Hauptakteuren zählen die Bürge- rinnen und Bürger unter der Regie von Ortsbürgermeister JürgenWenzel und seinen Mitstreitern aus der Gemeinde- verwaltung, darunter auch die Klima- schutzmanagerin der Ortsgemeinde. Kaum ein Monat vergeht, an dem nicht an einer neuen Idee für das große Ziel derNullemissionskommunegearbeitet wird. Dennoch ist es einweiterWeg, die ambitioniertenKlimaziele zu erreichen. Umfangreiche Studien und Untersu- chungen haben ergeben, dass der Ge- samtenergieverbrauch in Enkenbach- Alsenborn rund 270.000 Megawatt- stunden pro Jahr beträgt. Darauf ent- fallen gerade mal 20 Prozent auf den Stromverbrauch, 23 Prozent auf den Verkehr und der größte Batzen mit 57 Prozent auf den Wärmesektor. Diese Zahlen zeigen, dass der Hebel zum Ge- lingen der Energiewende im Wärme- sektor liegt. Die Klimaschutzmanage- rin Lisa Rothe spricht auch lieber von der Wärmewende. Die öffentliche Verwaltungmit ihren Gemeindewerken Enkenbach-Alsen- born geht mit gutem Beispiel voran. Großes Gewicht in der Wärmeversor- gung hat das Biomasse-Heizkraftwerk, das mit knapp 16,9 Millionen Kilowatt- stunden (kWh) im Jahr 2016 mehr Strom erzeugte als die Privathaushal- te von Enkenbach-Alsenborn ver- braucht haben. Der eingesetzte Brenn- stoff besteht übrigens zu 80 Prozent aus Grünschnittabfällen aus einem Umkreis von ca. 50 Kilometern. Hinzu kommen etwas mehr als 9 Millionen kWh Wärme, die ins eigene Wärmever- sorgungsnetz eingespeist werden. Ein vorgeschaltetes Block-Heizkraftwerk (BHKW), das von FAMIS geplant wurde, sorgt dafür, dass der Strom für den Ei- genbedarf der Anlagen komplett selbst erzeugt wird. Mobile BHKW werden höchst flexi- bel eingesetzt und versorgen imWinter Grundschule und die Wärmeinsel Bür- gerhaus mit zwei Kitas und Wohnhäu- sern sowie imSommer das Freibadmit Wärme. Die Kita Alsenborn wird mit einer Holzhackschnitzelheizung be- heizt. Das seit einigen Jahren betriebe- ne und von FAMIS geplante Holzhack- schnitzelheizwerk liefertWärme an die Integrierte Gesamtschule sowie an 60 einzelne Privathäuser. Rechnet man den Stromertrag aus der Kraftwärme- Kopplung mit dem grünen Strom aus dem Solarpark Sembach mit 5,6 MWp, den kleineren Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden zusammen zu- züglich der 3 MW-Windkraftanlage ei- nes privaten Betreibers auf Gemeinde- gebiet stammen bereits rund 29,5 Mil- lionen kWh aus regenerativen Energie- quellen in Enkenbach-Alsenborn. Das entspricht 57 Prozent der gesamten Stromlieferungenmit Industrie undGe- werbe in der Ortsgemeinde. Das ener- giepolitische Ziel der Bundesregierung, bis 2020mindestens 40 Prozent Strom aus regenerativen Energien zu erzeu- gen, ist in Enkenbach-Alsenborn be- reits gelebte Realität. Weitere Infos: Klimaschutzbeauftragte Enkenbach- Alsenborn : lisa.rothe@enkenbach-alsenborn.de Projektleiter FAMIS : jan.fehlhaber@famis-gmbh.de gehört zur gleichnamigen Verbandsge- meindemit acht eigenständigenOrtsge- meinden. Rund zehn kmnordöstlich der Kreisstadt Kaiserslautern entfernt ver- fügt Enkenbach-Alsenbornmit eigenem Bahnanschluss über eine gute Anbin- dung an die Autobahnen A6 Mannheim- Saarbrücken und A63 Richtung Mainz. Die Ortsgemeinde hat eine gute Grund- versorgungmit Kindergärten und Schu- len. Klein- und mittelständische Unter- nehmen prägen dasWirtschaftsleben in der Ortsgemeinde Enkenbach-Alsen- born als drittgrößte Waldbesitzende Kommune in Rheinland-Pfalz. Obwohl einTeil der Einwohner RichtungKaisers- lautern, Mainz und Ludwigshafen pen- delt, gibt es rein rechnerisch gesehen für die Bürgerinnen und Bürger ausrei- chend qualifizierte Arbeitsplätze in En- kenbach-Alsenborn. Neben der Umset- zung des Klimaschutzkonzepts gilt dem Ausbau des Glasfasernetzes mit dem gemeindeeigenenTelekommunikations- dienstleister VEGA-net als wichtiger Standortfaktor höchste Priorität. Weitere Infos: www.enkenbach-alsenborn.de Enkenbach-Alsenborn Enkenbach-Alsenborn setzt Maßstäbe im Klimaschutz D ie Balance halten, schrittweise vor- gehen, mutig nach vorne blicken – das hat in der Ortsgemeinde Enken- bach-Alsenborn in der Pfalz lange Tra- dition. Dies rührt zum einen aus der Klostertradition in Enkenbach mit der naturnahen Bewirtschaftung des Klos- tervermögens. Das Kloster in Enken- bach war zudem eine wichtige Station auf dem Jakobs-Pilger-Weg. Zum an- deren zählte der Ortsteil Alsenborn zur Heimat der Seiltänzer mit ihrer langen Artistengeschichte gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Aus ihr gingen bekannte Künstlerfamilien wie Bügler, Traber, Althoff oder Rosenberg hervor. BeimBlick in dieNeuzeit scheint der 7.200 Seelen-Gemeinde der Mut, neue Wege zu gehen, jedenfalls nicht verlas- sen zu haben. Effizient, nachhaltig und Die Kunst der Effizienz Titelstory

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